July 16, 2025
Tradition trifft Innovation: Wie EGGER seine Produktion in Brilon optimiert
von Aislinn Esterle
Manchmal ist es der Bruch mit der Tradition, der etwas Innovatives hervorbringt. Genau das ist der EGGER Sägewerk Brilon GmbH mit ihrer neuen kombinierten Kapp- und Keilzinkenanlage gelungen.
Bereits bei der Gründung im Jahr 1961 war sich EGGER – damals noch ein reines Sägewerk – bewusst, dass Holz eine der kostbarsten Ressourcen ist und daher zu wertvoll, um einfach weggeworfen zu werden. Dieser Leitgedanke führte zum Bau des ersten Spanplattenwerkes in St. Johann in Österreich und war der Katalysator für das Wachstum des Unternehmens. Heute ist die EGGER Gruppe ein international tätiger Hersteller von Holzwerkstoffen mit einem Produktportfolio, das von Möbeln und Innenausbau über Bodenbeläge bis hin zu Bauprodukten reicht.
Alles aus einer Hand
System TM war für EGGER noch ein blinder Fleck, als die Pläne für eine neue Produktionslinie Gestalt annahmen. Auf Empfehlung des langjährigen Scanner-Partners MiCROTEC, der bereits das EGGER Sägewerk in Brilon mit modernster Scanner-Technologie ausgestattet hatte, begannen die Gespräche über eine Anlage, die ein traditionelles Bauelement revolutionieren sollte.
„Vom ersten Tag an hatten wir ein sehr gutes Verhältnis zum EGGER-Team“, erinnert sich Per Juul Jensen, Gebietsverkaufleiter bei System TM, und fügt hinzu: “Wir haben alles getan, um gemeinsam mit dem EGGER-Team die Platz- und Kapazitätsanforderungen zu erfüllen. Je weiter der Prozess voranschritt, desto klarer wurde, dass wir als Projektorganisation einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz hatten, weil wir eine komplette Systemlösung anbieten konnten.
Höhere Ausbeute
Was in den 90er Jahren auf grüner Wiese in Brilon als Spanplattenwerk begann, hat sich zu einem der strategisch wichtigsten Standorte der EGGER Gruppe entwickelt. Der Standort, in dem die neue System TM Anlage installiert ist, produziert ca. 1,5 Mio. m3 der jährlich ca. 10,4 Mio. m3 Holzwerkstoffe der EGGER Gruppe.
Die kombinierte Optimierungskapp- und Keilzinkenanlage von System TM mit automatischer Beschickung, Festigkeitssortierung, Fördertechnik und Abstapelung wird die Schnittholzproduktion am Standort Brilon mit einem Produktionsziel von ca. 70.000 m3 keilgezinkter Ware pro Jahr verstärken. Sie ist auf optimale Holzausnutzung, hohe Leistung und minimalen Bedienaufwand optimiert und folgt damit der System TM-Philosophie der Optimierung von Personal- und Holzressourcen. Mit dieser Anlage nutzt EGGER das Potenzial zur Ertragsmaximierung durch die Herstellung eines neuen Dachlattentyps und weiterer Produkte für Kunden aus dem Holzbau.
Perfekt geschnitten und sortiert
Am Anfang dieser Systemlösung steht das Beschickungssystem Opti-Feed 6000, das die Werkstücke automatisch in die Linie einführt. Komplette Holzpakete werden vollautomatisch zum Entstapelungssystem transportiert, das in zwei Positionen arbeitet. In der ersten Position werden die Kanthölzer von den Paketen entfernt. In Position zwei hebt ein Hubtisch das Paket automatisch an, damit das Vakuumsystem die Lagen vom Paket entfernen und an das Materialtransportsystem übergeben kann. Die Trocknungsstäbe und Kanthölzer werden über eine Rollenbahn ausgegeben und gesammelt.
Die verbleibenden Werkstücke werden zur Einzelstückzuführung transportiert, wo jedes Werkstück auf einem Nockenförderer vereinzelt, ausgerichtet und von einer Trimmsäge zugeschnitten wird, bevor es eine Reihe von MiCROTEC-Scannern durchläuft. Die Werkstücke können dann aussortiert oder um 180° gedreht werden, bevor sie zu einem Hobel weitergeleitet werden und schließlich zur Fehler- und Qualitätserkennung durch einen MiCROTEC Goldeneye Scanner laufen.
Nach dem Scannen werden die Werkstücke zu einer Optimierungskappsäge Opti-Kap 5103 transportiert, die sie entsprechend der definierten Qualität ablängt. Reststücke werden entfernt und die gekappten Werkstücke zu einem Sortierförderer mit verschiedenen Längen- und Qualitätssortieroptionen transportiert, womit die Kapplinie abgeschlossen ist.
Optimierte Produktion
Diese kombinierte Kapp- und Keilzinkenanlage ist der Inbegriff der Produktionsoptimierung. Nach dem Sägen werden die Werkstücke in A- und B-Qualität getrennt. Die B-Qualität wird zur weiteren Verwendung in einem Zwischenspeicher gesammelt, während die A-Qualität der Beschickungsstation der Opti-Joint V-L Keilzinkenanlage zugeführt wird.
Diese Produktionslinie ermöglicht es bisher unbrauchbares Material aufzuwerten und in ein völlig neues Produkt umzuwandeln. Die Optimierungsmöglichkeiten von System TM in Kombination mit der Scan-Intelligenz von MiCROTEC bilden die Grundlage für die vollständige Nutzung des Rohmaterials.
Dieser Ansatz der Produktionsoptimierung führt nicht nur zu höheren Erträgen, sondern auch zu einer deutlich verbesserten Materialausnutzung und damit zu einem homogeneren Produkt. Dies ist ein großer Schritt in Richtung Nachhaltigkeit und ein wichtiger Schritt zur Erreichung von Net Zero 2050. Darüber hinaus nutzt EGGER Produktionsnebenprodukte und einen Teil des Recyclingholzes zur Herstellung neuer, hochwertiger Holzwerkstoffe.
Kurze Wege
Diese Keilzinkenanlage verfügt über eine Besonderheit, die den Werkstücken zu einer Abkürzung verhilft. Ein Drehtisch hilft, die Werkstücke auf dem schnellsten Weg mittels einer 90 Grad-Wendung von den Keilzinkenfräsen zur Ausrichtstation zu befördern. Dies wurde speziell für diese Anlage entwickelt, um den Platzverhältnissen Rechnung zu tragen.
Zuvor werden die bis zu 2.500 mm langen Werkstücke automatisch zu Paketen zusammengefasst und an die Keilzinkenfräsen übergeben, wo das charakteristische Fingerprofil gefräst wird. Anschließend durchlaufen sie die Leim-, Ausricht- und Vorpressstationen, bevor sie in die Keilzinkenpresse gelangen. Die fertigen, bis zu 6.650 mm langen, keilverzinkten Werkstücke gelangen auf ein Förderband, wo sie sortiert werden und der Leim trocknen kann.
Anschließend können die Bretter von einem Hobel in zwei separate Werkstücke geteilt werden, bevor sie von einer Mehrkopfkappsäge in verschiedene Längen geschnitten werden. Anschließend werden sie von einem Opti-Stack 6000 zu Paketen gestapelt und auf einem Förderband zur Abholung und Weiterverarbeitung abgelegt.
Auf zu neuen Ufern in der Produktionsoptimierung
Diese kombinierte Kapp- und Keilzinkenlösung bei der Egger Sägewerk Brilon GmbH stellt eine Abkehr von traditionellen Produktionsmethoden dar. „Die Investition passt sehr gut zur EGGER Strategie ‚MEHR aus HOLZ‘, da wir mit der Keilzinkenanlage den Anteil an hochwertigen Holzprodukten erhöhen können“, erklärt Georg Lingemann, Geschäftsführer von EGGER Brilon. Der innovative Ansatz, traditionelle Produkte neu zu denken und innovative Wege zur Maximierung der Materialausnutzung zu finden, steht auch im Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen des Unternehmens. Durch die Integration neuester Technologien und Optimierungsstrategien verändert EGGER seinen Produktionsprozess und unterstreicht sein Engagement für nachhaltige Praktiken und operative Exzellenz.
Darüber hinaus ist diese bestimmte System TM Anlage in Bezug auf die Produktabmessungen äußerst flexibel, was bedeutet, dass EGGER die Anlage problemlos umkonfigurieren kann, um eine neue Reihe von Produkten herzustellen, wodurch das Unternehmen flexibler auf Marktveränderungen und Herausforderungen reagieren kann.
„Während der gesamten Projektlaufzeit haben wir einen engen und transparenten Austausch mit System TM gepflegt. Für uns als Kunde war es wichtig, stets in die relevanten Entscheidungen eingebunden zu sein. So hatten wir jederzeit die Möglichkeit, unsere Wünsche einzubringen und wussten immer, wie die nächsten Schritte aussehen würden.“
– Arndt Silberg, Werksleitung Technik/Produktion, Egger Sägewerk Brilon GmbH





